Zähne

Veröffentlicht von Martina Bartl am

Kleine Pferdezahnkunde

Milchzahnkappe eines Backenzahnes

Pferde werden (meist) zahnlos geboren. Erst einige Tage nach der Geburt wachsen dem Fohlen zuerst die inneren Schneidezähne (Zangen) und bis zum sechsten Lebensmonat der Rest des Milchzahngebisses (insgesamt 16 Zähne). Diese Erstausstattung muss rund 2,5 Jahre halten. Dann beginnt der Zahnwechsel, der wieder mit den inneren Schneidezähnen (Incisivi) beginnt und erst im Alter von etwa 4,5 bis 5 Jahren abgeschlossen ist. Zusätzlich zu den Incisivi haben vor allem Hengste bzw. Wallachen auch noch Eckzähne, die sogenannten Hengstzähne (Canini). Sie sitzen hinter dem dritten Schneidezahn im Ober- und Unterkiefer. Selten haben auch Stuten diese verkümmerten Eckzähne, die bei den Pferdedamen oft nur als kleine Erhebung sichtbar sind.

Nach den Schneidezähnen ist eine große Lücke bevor im Ober- und Unterkiefer je eine Reihe Molaren (Backenzähnen) folgt. Bei den Molaren unterscheidet man die Praemolaren (Backenzähne mit Milchzahnvorläufern) und die ohne vorgehende Milchzähne gebildeten Molaren. Auf jeder Seite des Ober- und Unterkiefers gibt es drei Prämolaren (P2, P3, P4) und drei Molaren (M1, M2, M3). Der erste Molare (P1) – der sogenannte Wolfszahn – ist im Laufe der Evolution verkümmert und nur noch als winziges Zähnchen sichtbar.

Das bleibende Pferdegebiss besteht – abhängig von der Anzahl der Hengst- und Wolfszähne – aus 36 bis 44 Zähne: zwölf Incisivi, keine bis vier Canini, keine bis vier Wolfszähne und 24 Backenzähnen.

seitliche Ansicht Pferdegebiss:
Backenzähne (1-6), Wolfszähne (8), Schneidezähne (9+10) 

An den bleibenden Schneidezähne sind auch die für eine grobe Altersbestimmung relevanten Kunden zu finden. Die Kunden sind Vertiefungen in den Schneidezähnen (bei den Schneidezähnen im Oberkiefer sind diese 12 mm und bei jenen im Unterkiefer 6 mm tief), die durch die Abnützung über die Jahre in verschiedenen Zeiträumen verschwinden. Dadurch kann vom Fachmann das ungefähre Alter eines Pferdes bestimmt werden (eine grafische Darstellung der Zahnalterbestimmung gibt’s hier ).

Pseudowachstum und Probleme

Backenzähne aus dem Oberkiefer eines 25-jährigen Pferdes

Pferdezähne sind mehrere Zentimeter lang, und der aus dem Kiefer ragende Teil (Krone) ist nur ein kleiner Bruchteil des kompletten Zahnes. Fest und mit langen, kräftigen Wurzeln verankert sitzen die Zähne im Ober- und Unterkiefer des Pferdes. Pferde müssen mit ihrem zweiten Gebiss ein Leben lang auskommen, allerdings schieben sich die Pferdezähne Jahr für Jahr ca. 2 bis 5 mm aus ihrem Zahnfach heraus (Pseudowachstum). Dieses Pseudowachstum sollte durch die natürliche Abnützung ausgeglichen werden – was bei domestizierten Pferden kaum noch der Fall ist.

Das Gebiss des Pferdes ist auf ständiges Kauen von hartem Steppengras, Rinde oder sogar Ästen ausgelegt. Die Fütterung heute sieht aber ganz anders aus: Für das Zermahlen von Kraftfutter wie Pferdemüsli, Hafer, Gerste, Mais usw. muss das Pferd nur sehr wenig kauen. Dadurch werden die Kauflächen der Zähne nicht ausreichend und/oder gleichmäßig abgenutzt, und es entstehen Zahnhaken (auch Zahnspitzen genannt).

Diese Haken können so massiv werden, dass sie beim Kauen die empfindliche Schleimhaut des Pferdes verletzen können. Kauen wird für das Pferd regelrecht zum Martyrium. Bei den Schneidezähnen verhält es sich ähnlich: Sie haben wenig bis gar keine Möglichkeit, grobes Futter abzurupfen – daraus resultiert ebenfalls zu wenig Abrieb, und sie werden zu lange bzw. es entstehen scharfe Kanten.

Symptome und Behandlung

Erfahrene Pferdebesitzer erkennen recht schnell etwaige Zahnprobleme bei ihrem Pferd: untypisches Fressverhalten (Schlingen, Futter fällt teilweise wieder aus dem Maul, viel Speichel, oder „Wickelkauen“ – Heu wird gekaut und fällt dem Pferd aber in Form von unzerkauten Ballen wieder aus dem Maul), Kopfschlagen beim Reiten, „Festbeißen“ am Gebiss bis hin zum Steigen und Konditionsverlust trotz guter Fütterung sind u. a. typische Anzeichen für Zahnprobleme.

Mit regelmäßigen (1 – 2 x jährlich) Kontrollen des Pferdegebisses durch den Tierarzt sind die meisten Zahnprobleme bei Pferden leicht zu vermeiden. Die Zähne, vor allem die Backenzähne, sind ohne entsprechende Hilfsmittel (Maulgatter) nur sehr schwer zu untersuchen. Deshalb ist diese für das Pferd meist recht unangenehme Untersuchung am besten von einem Tierarzt durchzuführen.

Korrekturen der Zähne werden entweder durch Raspeln mit speziellen Handraspeln oder mit eignen elektrischen Zahnraspeln vorgenommen. So können Haken, zu lange Zähne und Fehlstellungen korrigiert werden.

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